Dienstag, 13. November 2012

Ein Blick in die Zukunft

Hallo meine lieben Freunde und Verwandte,

da ich nicht lernen möchte (morgen schreibe ich die erste große Klausur!), erzähle ich euch lieber von meinem Kurzausflug nach Pietermaritzburg.
Man war das teuer. Irgendwie liegt das auch daran, dass das alles so überstürzt kam, aber ich hätte definitiv auch mehr Informationen sammeln müssen. Habe ich leider nicht, und deswegen waren die Kosten für den Kurzausflug immens. Aber so ist das manchmal, kann man nur draus lernen...

Campus of University of Natal in Pietermaritzburg
Ab Januar mache ich ja ein Praktikum an der University of KwaZulu-Natal. Das ist ja gar nicht mehr solange hin, deswegen habe ich mich mal bei dem Professor gemeldet, der mich dort betreuen wird. Und der meinte dann (vor ungefähr 2 Wochen), ob ich nicht mal vorbeikommen könnte (am besten noch vor Januar). Da habe ich dann mal einen Blick auf meinen etwas vollen Terminkalender geworfen  und festgestellt, dass da eigentlich nur Montag, der 5.11. in Frage kommt, weil jetzt bin ich ja schon total in den Klausuren drin bin und direkt nach den Klausuren geht es ab in den Urlaub und der Urlaub geht dann nahtlos in das Praktikum über. Also habe ich gesagt, ich komme am Montag und dann mehr schlecht als recht meinen Ausflug geplant. Dummerweise bin ich nach Durban geflogen, dass ist dann aber leider nochmal 100 km von Pietermaritzburg entfernt.
Am Flughafen angekommen hatte ich irgendwie auf einen Bustransfer oder einen Zug gehofft, gab es natürlich nicht. Stattdessen musste ich dann ein Taxi nehmen. Da habe ich meinen indischen Taxifahrer (stämmig und groß wie ein Hüne) gefragt, wie teuer das denn ist. Er meinte: "Wir fahren mit Taxameter." Ich dachte mir: wie cool, wie in Deutschland! Da kann man wenigstens verstehen, wie sich der Preis entwickelt. Tja, leider entwickelte sich der in horrende Höhen, aber dazu später mehr.
In Durban war es total schwül (in Pretoria ja immer eher staubtrocken), das war fast schon beeindruckend, immerhin sind die beiden Städte innerhalb des selben Landes.
Als ich in das Auto des Hünen einstieg murmelte der noch was von 12 Rand pro km (ich dachte zu dem Zeitpunkt aber leider noch, dass der Flughafen nur 60 oder 70 km weit weg ist). Also saß ich in dem Taxi und habe dabei zugeschaut, wie in Windeseile die Ziffern in die Höhe schossen. Blöd gelaufen. Mittlerweile war es dunkel geworden, da hätte ich ja auch schlecht in der Mitte abbrechen können. Als wir dann endlich in Pietermaritzburg (nach 100 km) angekommen waren, habe ich gefragt, ob der Preis für hin und zurück ist. Das konnte ich mir dann nicht verkneifen. Das hat er erst nicht verstanden, und dann meinte er, dass er gedacht hatte, ich wüsste wie weit das wäre, aber das wusste ich nicht. Naja. Musste er mich dann noch zu einem Bankautomaten fahren (die hier übrigens ATM heißen), damit ich die horrende Summe von 130 Euro abheben konnte. Ich habe mich SCHWARZ geärgert.
Weiße Jacaranda auf dem Campus!
Danach sollte er mich zu einem billigen Hostel fahren, welches ich im Internet gefunden hatte. Am Ende standen wir vor einem Haus, ohne Schild, in einer dunklen Straße. Ein Mensch lukte hinter dem Vorhang hervor. Und für mich stand schon fest: Hier will ich nicht bleiben! Das finde ich zu unheimlich und gruselig. Der indische Hüne stieg aus dem Auto aus und schaute sich das Haus mal aus der Nähe an, aber ich rief ihm schon zu: "Ich mag hier nicht bleiben, das sieht nicht... schön aus. Ich habe da vorne ein Bed&Breakfast gesehen, da will ich hin." Also hat er mich zu dem B&B gefahren. Und zum Glück hatten die noch ein Zimmer frei. 400 Rand für eine Nacht mit Frühstück. Aber alles war hell und schön eingerichtet und nett und hatte einen großen Zaun um das Grundstück rum. Also habe ich den Taxifahrer bezahlt, der hat sich nochmal entschuldigt, und gesagt, dass sind wirklich 100km, ich meinte, ist schon ok.
Das Zimmer war toll. Internet hat für mich aus welchen Gründen auch immer leider nicht funktioniert, aber dafür hatte das Zimmer einen riesigen Fernseher an der Wand hängen, mit 5 guten Kanälen. Also habe ich später Pizza bestellt (der Pizzabote hat das erst nicht gefunden und als er da war, meinte er, woher ich komme, ich: aus Deutschland, er: schöner Akzent, und dann denke ich immer: Ist ja ganz nett, aber lieber hätte ich keinen Akzent, den man raushört!) und diese dann fernsehkuckend verspeist. Bis spääät in die Nacht habe ich fernsehen gekuckt. Toll! Aber ich war so aufgeregt wegen morgen (Montag), da konnte ich nicht früher schlafen.
Am nächsten Morgen gab es Englisch Breakfast (Wurst, Beans, Spiegeleier, Toast, Tomate, Schinken), das ja eigentlich ganz lecker ist, aber das hatte ich seit ich hier bin schon öfter und kann ich leider langsam nicht mehr sehen... wie Pizza und Burger. ui.
Nach dem Frühstück habe ich gefragt, ob es sich lohnt erst in die Stadt zu fahren, wenn ich ein Treffen an der Uni um 13.00 Uhr habe. Und sie meinte dann nein, denn ich bin jetzt schon total dicht an der Uni dran. Also habe ich noch bis 10.00 Uhr Fernsehen gekuckt und bin dann in Richtung Uni losgehoppelt. Die habe ich dann auch erstaunlich gut gefunden. Was ganz cool war: In Pietermaritzburg habe ich die ersten komplett grünen Jacaranda-Bäume gesehen. Woher weiß ich, dass das Jacaranda-Bäume waren? Weil darunter noch die ganzen Blüten lagen. Schick, schick.
Ich auf dem Campus
Auf dem Campus fielen mir gleich in paar Unterschiede auf: 1. Dass ich überhaupt so leicht auf den Campus gekommen bin. Irgendwie stand das Tor offen, sodass jeder einfach raus und rein kann, das geht bei der Universität von Pretoria nicht. 2. Ich musste wirklich lange suchen, bis ich mal eine weiße Person gesehen habe. Interessant. An der Universität von Pretoria sind mindestens (wenn nicht mehr) die Hälfte aller Menschen weiß. Später habe ich das von meinem Professor bestätigt bekommen: University of Pretoria ist eher konservativ und im Vergleich ist die Universität von KwaZulu-Natal eher afrikanisch.
Auf dem Campus bin ich dann etwas rumgeschlichen, immer auf der Suche nach Internet. Ich wollte mich noch etwas auf das Gespräch vorbereiten und dann ganz schlau wirken, aber das hat alles nicht so gut funktioniert.
Ich saß dann noch ein bisschen in einem Café rum auf dem Campus, und da ist mir wieder aufgefallen, wie viele indische Menschen es in KwaZulu-Natal gibt, im Vergleich zu Gauteng. Außerdem habe ich mir noch einen der Artikel durchgelesen, welche das Department kürzlich veröffentlicht hatte, um mich wenigstens so auf das Treffen vorzubereiten. Das Gebäude der Psychologie hatte ich bereits gefunden, sodass ich das wenigstens kurz vor Schluss nicht mehr suchen musste. Also bin ich dann kurz vor eins mal losgegangen und habe gedacht "warum mache ich denn sowas überhaupt". Im Gebäude (relativ klein) habe ich dann jemanden gefragt, wo ich den Professor finden könnte. Oben war die Antwort. Ich bin also hochgeschlichen und in einer Art Konferenzraum traf ich dann den Professor, einen anderen Menschen vom Department und noch eine Frau, die anscheinend dort gerade ein Praktikum macht. Und das Gespräch war dann wirklich schön und entspannt. Ich hatte schon befürchtet, sie fragen mich Fragen wie "warum wollen Sie denn bei uns arbeiten?". Das ist ja immer etwas schwierig zu beantworten, und eigentlich bin ich ja auch schon drinnen und angenommen! Haben sie aber auch nicht gefragt. Das einzige, was sie wissen wollten, war, was ich bisher mit Sozialpsychologie zu tun hatte, und da konnte ich ja dann einiges nennen. Und dann haben sie vorgestellt, woran sie so arbeiten und das klingt alles auch wirklich ganz interessant. Und im Allgemeinen, scheint alles ganz flexibel. Flexibel, wann ich anfange zu arbeiten, wann ich tagsüber arbeite, an welchen Projekten ich arbeite. Und was ich auch wirklich toll fand war, dass sie auch gesagt haben, dass sie wollen, dass ich für mich etwas aus dem Praktikum mitnehmen kann.

Also: sehr erfolgreiches, schönes und entspanntes Treffen. Ich denke, ich habe einen guten Eindruck hinterlassen. Leider gehen die zwei Praktikantinnen im Januar und ich hoffe, dass ich nicht die gaaanze Arbeit von den beiden übernehmen muss, denn beide scheinen jetzt schon total zu mit Arbeit zu sein. Und beide haben schon ihren Master und bereiten sich gerade auf ihre Doktorarbeit vor. Vielleicht kommen ja zwei neue, das wäre ganz gut. Also, definitiv genug Arbeit, sodass mir wahrscheinlich nicht langweilig wird, das wäre ja super. Und ich bekomme sogar ein Büro, oder einen Arbeitsplatz in einem Büro, voll cool.

Schönes Gebäude auf dem Campus
Danach war ich noch in einem Internetcafé um meine e-mails zu checken, und bin dann schon wieder zurück in das B&B gegangen. Wenn man die Gegend nicht so gut kennt, dann sollte man nicht wirklich alleine irgendwo rumlaufen. Zuhause habe ich dann Fernsehen gekuckt, voll toll. Ist dann auch gerade egal, was läuft, Hauptsache bewegte Bilder. hehe. Ich schaue ja in Südafrika eigentlich nie fernsehen, da muss man sowas dann mal ausnutzen.
Am nächsten Morgen (Dienstag) bin ich morgens um 5.45 Uhr zum Flughafen losgefahren, aber dieses Mal mit dem Shuttle Service des B&B und habe deshalb nur 45 Euro gezahlt, das ist dann ja fast schon wieder billig.
Mit den Flügen hat alles super funktioniert, obwohl ich mit Kulula geflogen bin, aber das ging wirklich.

Ungefähr um 10.30 Uhr war ich dann wieder in Hatfield, Pretoria, gerade noch genug Zeit um mich nochmal kurz hinzulegen (man war ich müde) und dann zu meiner letzten Unterrichtsstunde für Geschichte zu gehen. Unglaublich, wie schnell das Semester rumgegangen ist.

Also: Wirklich ein schöner Ausflug, weil ich jetzt schon ein bisschen weiß, was auf mich zukommt, und wenn man sich sowas vorstellen kann, dann ist das alles nicht mehr so gruselig. Nicht mehr so unvorstellbar. Und jetzt freue ich mich auch auf das Praktikum, weil ich bestimmt, eine Menge lerne.
Aber TEUER war's, aber so ist das.

Viele liebe Grüße!
Nadine

PS: Xin Rong kann man mit diesem Wort ganz gut beschreiben: umsichtig. Und das ist wirklich eine schöne Eigenschaft, nach welcher ich in Zukunft mal die Augen aufhalten werde.

Sonntag, 11. November 2012

International Day, Soweto Marathon und Bäume

Hallo ihr da draußen,

ich habe da ganz doll was vergessen: International Day (am 12.10.)!
Zwei Tage vor dem International Day gab es ein Treffen mit ein paar (4) deutschen Internationalen von uns und dann kamen noch Leute vom Goethe Institut, der deutschen Botschaft, DAAD und einer Werbefirma, die gerade dem Goethe Institut hilft, die deutsche Kultur zu vermarkten. Das waren dann wirklich ziemlich Leute (bestimmt nochmal 8). Und dann wurden Pläne darüber gemacht, wie der Stand aussehen soll (um das Design hatte sich die Werbefirma schon gekümmert, verrückt!) und was für Attraktionen wir anbieten würden. Ich fand das alle etwas viel des Guten, aber es sollte sich noch rausstellen, dass die damit total richtig lagen!
Geschafft!
Voller Motivation vor dem Start
Am International Day selbst, haben wir uns dann morgens getroffen, super viele Leute sprangen da rum um den Stand aufzubauen (von der Werbe-Firma und auch von der Botschaft), dann haben wir T-Shirts von der Botschaft bekommen (wir = Alex, ich und noch jemand) und das war dann schon ganz cool! Ich musste dann nochmal kurz zum Unterricht, während unser Stand von einem Komitee bewertet wurde (leider waren wir nicht unter den ersten drei Plätzen, verstehe ich gar nicht). Als ich wieder kam, waren da schon ganz viele Leute, die sich für unseren Stand interessiert haben. Und nach einiger Zeit, war ich voll integriert, und habe vielen Leuten Deutsch in drei Minuten (ungefähr 5 Sätze, die ich mit ihnen nacheinander durchgegangen bin) beigebracht. Und ich hätte ehrlich gesagt niemals gedacht, dass das so viele Leute machen wollten! Meistens habe ich einem oder zwei Menschen gleichzeitig deutsch erklärt und prompt war ich fertig, wollte schon wieder jemand neues deutsch lernen. Nach fast einer Stunde war ich total heiser, weil ich etwas schreien musste, weil das alles so laut war. Aber es war toll zu sehen, wie viel Spaß die Leute dabei hatten, echt cool. Wir haben auch noch ein Deutschland-Quiz angeboten, das kam auch gut an, und als Preis gab es Cappies, kleine Buttons und deutsche Gummibärchen. Und vor dem Stand hat jemand Deutschlandfahnen auf Gesichter gemalt, sodass nach einiger Zeit ganz viele die Fahnen im Gesicht hatten!
Ich in Jacaranda
Später habe ich dann noch bei den Kulturtänzen der einzelnen Länder zugekuckt, das war auch toll. Und das Publikum hat gejubelt und angefeuert. Leider war es etwas kalt, weil es in Strömen geregnet habe. Kurz habe ich auch noch bei den Ständen der anderen Ländern vorbeigeschaut, und dort sogar ein Land gefunden, von dem ich noch niemals vorher gehört hatte und welches ich jetzt auch vergessen habe.
Yui hat den zweiten Platz bei Miss International gemacht, auch cool!
Wirklich schön und es war auch schön zu sehen, wie viele Leute an Deutschland und an der Sprache interessiert sind.

Am 3. November war ich mit Yui beim Soweto Marathon. Am Anfang wollte sie dann nochmal drüber reden, ob das richtig gewesen war, dass sie die cookie Sache angesprochen hatte. Fand ich ganz gut, dass sie das nochmal angesprochen hat, wollte ich dann aber nicht mehr drüber reden.
In Soweto waren super viele Leute, die sich für den Marathon anmelden wollten. Irgendwie (ich weiß nicht, ob wir uns da nicht super doll vorgedrängelt haben) haben Yui und ich relativ schnell geschafft uns anzumelden und zwar für den 5 km Fun Walk. Wir sind dann zum Start-Punkt gegangen. Ein paar Rollstuhlfahrer sind an uns vorbeigedüst (die am 10 km Rollstuhlfahrer-Marathon teilgenommen haben) und wir (die 5 km Fun-Walk Teilnehmer) haben sie laut angefeuert und gejubelt. Das war so schöne Gänsehaut-Atmosphäre! Und dann gab es den Startschuss (aus einer Pistole) und die Leute sind losgerannt (dabei war das ja eigentlich ein Walk). Ein bisschen sind Yui und ich mitgerannt, aber dann lieber gegangen. Viele Leute haben uns dann überholt, aber so konnte man mal sehen, wer da so mitmacht. Familien mit Kindern, alte Leute, junge Leute, eigentlich jeder! Eine richtige Familiensache. Und die Route ging um das Ausstellungszentrum in Johannesburg mit tollem Blick auf die Skyline von Johannesburg.
Jacaranda in Pretoria
Yui und ich haben nett miteinander geredet, das war eigentlich ganz schön.
Und als wir durch das Ziel gekommen sind, haben wir jeder eine Soweto-Marathon Medaille bekommen! Und Wasser in kleinen Plastiktüten, wie cool ist das!
Danach sind wir dann noch ein bisschen rumgeschlendert und dann wieder zurück gefahren. Der Tag war sehr schön und hat sich gelohnt.

Im Oktober blühen hier die ganzen Jacaranda-Bäume in Pretoria, das ist soooo wunderschön! Alles lila, ganze Alleen! Und wenn man auf dem Berg vor den Union Buildings steht, dann sieht man ganz viele lilane Kugeln in der Stadt. Witzig. Mittlerweile werden die Bäume jetzt grün und das meiste Lilane liegt jetzt auf dem Boden, aber immer  noch sehr hübsch. Und wenn eine Jacaranda-Blüte auf einen drauf fällt, dann hat man Glück in der nächsten Klausur!

Viele liebe Grüße!
Nadine
Learn German in 3 minutes!

Soweto und Sandton

Hallo meine lieben Leserinnen und Leser,

bald habe ich's geschafft, alles aufzuholen! Wie cool ist das denn!

Am 26. Oktober sind Snow, Xin Rong und ich ins Kino (das machen wir ja öfter) gegangen und haben uns Hope Springs angekuckt. Interessanter Film. Wieso ist das jetzt hier von Belang? Also, das war so: Wir sind ziemlich spät ins Kino gegangen (so um 22.00 Uhr) und es waren auch nicht besonders viele andere Menschen in dem Kinosaal. Nach dem Film saßen wir zu dritt noch etwas rum (ich habe noch ein bisschen an der Popcorn-Tüte rumgegessen), sodass wir am Ende ganz alleine waren. Ein paar Minuten später wurde ich dann etwas nervös und habe deshalb den Smalltalk unterbrochen. Was, wenn die uns hier vergessen und einsperren? Also sind wir zur Tür gegangen und TATSÄCHLICH! Die Tür war abgesperrt. Meine erste Reaktion: Verstärkt die Popcorn essen, denn was schon in mir drinnen ist, muss ich nicht teilen ;). Dann wurde ich etwas claustrophobisch (irgendwie war das alles so eng) und habe schon überlegt, ob wir eine Nacht im Kino überleben würden.
Wir haben geklopft und rausgerufen, aber niemand hat uns gehört. Schreckliche 90 Sekunden lang. Dann hat Xin Rong zwei Hebel am oberen Ende der Tür umgelegt und schwubbs waren wir frei. Tja, so schnell ging das dann. Aber trotzdem! Die hatten uns tatsächlich vergessen und haben gar nicht geprüft, ob noch Leute im Kinosaal sind!
Das ist die Geschichte, wie ich in einem Kino in Südafrika eingesperrt war.

Was haben Soweto und Sandton gemeinsam? Nur den Anfangsbuchstaben.

Am nächsten Morgen (Samstag) sollte es eigentlich früh losgehen, aber Pläne haben sich (auch zu meinen Gunsten) geändert, sodass wir (ein paar von uns internationals und Dumi) uns um 09.30 Uhr unten getroffen haben. Insgesamt waren wir ungefähr 17 Leute. Nach einer (ganzen Weile) kam dann ein gebuchter Minibus, welcher uns nach Soweto gebracht hat. Plan war es, mit Kindern aus Soweto (ein sehr großes (wenn nicht das größte Südafrikas) Township, süd-westlich von Johannesburg) einen Tag im Zoo von Johannesburg zu verbringen und abends noch mit den Familien zu grillen (oder wie man hier sagt: to braai). Alles kam etwas anders, aber der Tag war trotzdem schön.
Mandela Square in Sandton
Als wir in Soweto ankamen, hat uns Dumi (er stammt aus Soweto und studiert nun an der Universität von Pretoria) sein Haus gezeigt, welches er vor 3 Jahren gekauft hat und in welchem nun sein Onkel wohnt. Das Haus (wie die anderen Häuser in der Umgebung) war aus Stein oder Lehm, also nicht die Wellblechhütten, die man sich sonst vielleicht vorstellt. Ansonsten gab es Wasser, Elektrizität, Kühlschrank, Fernseher, aber natürlich alle sehr einfach. Von hinten sind wir in das Haus reingegangen und standen sofort in der Küche. Die Wände einfach verputzt, weiß. Das nächste Zimmer war das Wohnzimmer, vielleicht 9 qm groß? Und soweit man sich das denken konnte, gab es dann noch ein oder zwei Schlafzimmer. Die Möbel zusammengewürfelt, aber alles in einem gemütlich.
Xin Rong hat während dessen schon wieder ein paar Freunde gefunden, sodass wir noch ein zweites Haus angucken konnten. Das war ein bisschen größer. Das Wohnzimmer hatte orangene Wände, die Möbel vom selben Stil, was deshalb ordentlicher und gekauft aussah. Die Decke war mit Stuck verziert, und der Fernseher machte einen modernen Eindruck. Nur kurz späten wir in das Haus. Also für ein oder zwei Menschen bestimmt ausreichend und recht hübsch, aber dort lebten bestimmt mehr als nur zwei Menschen drinnen.

Xin Rong und ich haben Chips vom lokalen Snack-Stand gekauft, für 0,50 Rand. Daan (einer der Niederländer) hat eine lokale Spezialität probiert, mit Weißbrot, Salat, Wurst und Pommes drinnen, oder so. (Er meinte, war ganz lecker.)
Also dümpelten wir alle etwas auf der Straße rum. Nach und nach trudelten ein paar Kinder aus dem umliegenden Gebiet ein, welche dann schon mit einigen von uns zu spielen und zu tollen begannen. Nach einer Weile waren dann alle da, und zwei Mini-Busse (in einem die Kinder, im anderen wir) haben uns zum Johannesburg-Zoo gebracht. Dort haben wir zuerst die Kinder in kleinere Gruppen aufgeteilt. Snow, Xin Rong und ich sollten zu dritt auf 5 Mädels aufpassen, zwischen 6 und 14 Jahre alt. Bei den jüngeren war ich mir nie so sicher, ob sie verstehen, was ich sage, aber die älteren waren ganz gesprächig. Sie haben uns erzählt, dass alle Kinder aus der gleichen Gegend kommen und sich deshalb schon kennen.
In Rosebank
Ich habe ein bisschen die Schilder über die Tiere für die Kinder zusammengefasst, und vielleicht haben sie ja was neues gelernt dabei. Wir sind (im Schneckentempo) durch den Zoo gegangen, und haben uns Vögel, Antilopen, Löwen, Elefanten, Affen und ein paar andere Dinge angekuckt. Und obwohl der Altersunterschied ziemlich groß zwischen den Kindern war (deshalb vielleicht auch Tempo und Interessen anders), hat sich kein Kind beschwert oder war unzufrieden.
Nach einer Weile haben wir Essen (Hot Dog, ich hatte was, dass Chip Stick hieß und eine aufspiralte Kartoffel war, die dann frittiert wurde am Spieß) und Trinken oder Eis gefunden und dann ging's weiter. Insgesamt hatten wir gar nicht so viel Zeit, aber ich denke, der Ausflug war trotzdem schön für alle und wir hatten besonders viel Glück mit dem Wetter. 10 Minuten, nachdem wir alle wieder sicher in den Bussen saßen, regnete es in Strömen.
Der Bus der Kinder ist dann wieder zurück gefahren, wohingegen unser Bus vor einem Einkaufszentrum Halt gemacht hat, um die Zutaten für das Abendessen zu kaufen. Ganz schön lange haben wir gewartet, aber dann kamen sie wieder zurück und wir sind nach Soweto zurück gefahren.
Dort sind wir dann bei einem anderen Haus ausgestiegen. Die Kinder waren auch dort und haben im Wohnzimmer (das eigentlich gar nicht so klein war, aber mit so vielen Leuten doch etwas quetschig) unglaublich super getanzt. Wirklich jedes der Kinder. Da hat man richtig gemerkt, dass ihnen das ganz doll Spaß macht. Ich habe erst etwas zugekuckt und bin dann in die Küche gegangen, um beim Essen zubereiten zu helfen. Es gab Pap, selbst gemachte Chaklaka-Soße und Borewurst. Wirklich helfen konnten wir nur bei der Soße. Ich habe gelernt, wie man eine Tomate in kleine Würfel schneidet, in der Hand und in der Theorie haben Xin Rong und ich gelernt, wie man eine Dose mit einem Messer öffnet (das durften wir nicht nachmachen).
In dem Haus leben 6 Erwachsene. Es hat eine Küche (welche groß genug ist, dass es in der Mitte noch einen Tisch als Arbeitsfläche gibt), das bereits beschriebene Wohnzimmer mit angrenzendem Esszimmer, und ich schätze, dann gibt es noch 2 bis 3 Schlafzimmer. Und das finde ich dann etwas klein für 6 Erwachsene. Die Kinder der Frau, die in dem Haus lebt und mit welcher wir gekocht haben, leben bei einem anderen Verwandten. Besonders das Wohnzimmer war aber schön eingerichtet. Aber der Vater hat Xin Rong erzählt, dass er Schulden hat und momentan noch nicht einmal genug Geld, um sich neue Schuhe zu kaufen. Trotzdem waren dort alle so freundlich. Wir haben zuerst Essen bekommen, und dann erst viel später die Bewohner des Hauses. Und ich habe gelernt, dass man wissen muss, wie man gutes Pap kocht, sonst findet man nie jemanden, der einen heiraten will. Und tatsächlich war das Pap dort das beste, was ich bisher in Südafrika (also jemals) gegessen habe.
Später am Abend sind Xin Rong und ich dann mitgegangen zu dem Alkohol-Shop, ein paar Straßen weiter. uuuh, nachts in Soweto! Das war auch ganz spannend.
Die meisten der Kinder waren mittlerweile gegangen, und dann haben die zwei Kinder der Familie ein paar von uns internationals das Tanzen beigebracht. Und die anderen Bewohner des Hauses sind auch gekommen und haben sich das angeschaut oder mitgetanzt. Sogar die schon ganz alte Oma.
Kurz bevor wir gefahren sind, haben wir uns alle in der Küche versammelt, und dann hat die Frau noch für uns gebetet. Das war auch wirklich schön.
Und dann, um etwa halb 11, hat uns der Mini-Bus dann wieder abgeholt und nach Hause gebracht. Und dann wird einem erst wieder richtig bewusst, was man selbst alles hat, für das man sehr dankbar sein muss, aber manchmal nimmt man das alle schon für zu selbstverständlich. Aber es war toll mal eingetaucht zu sein, in das Leben von Menschen in Südafrika, die nicht so viel Geld haben, und das sind wirklich viele. Und trotzdem sind sie so gastfreundlich und herzlich.

Ich in Rosebank
Am nächsten Tag sind Xin Rong und ich (war ja sowas wie ihr letzter freier Sonntag in Pretoria) frühstücken gegangen, in der Art "Dorf", wo man sich gar nicht wie in Südafrika fühlt, aber eigentlich ist das nur ein Hinterhof, in dem es dann noch einige Gebäude mit Shops und Cafés gibt, habe ich euch davon schon erzählt? Dort ist auch das Restaurant "Papa's". Danach sind wir mit dem Gautrain (super sicher) nach Sandton gefahren (ich glaube so ziemlich die reichste Gegend Johannesburgs) und haben dort schnell den Mandela Square gefunden. Da ist alles ganz modern, das sieht gar nicht mehr wie Südafrika aus und man fühlt sich absolut sicher. Ein bisschen sind wir durch das angrenzende Einkaufszentrum gegangen und dort habe ich einen Laden gefunden, der ganz viele importierte Sachen aus Deutschland hatte! Wie Lebkuchen oder Dominosteine oder die anderen Weihnachtskekse. Das war so schön. Und dort wurde mir erst richtig bewusst, wie viele coole Süßigkeiten Deutschland produziert!
Nach Sandton sind wir dann nach Rosebank gefahren (das ist auch ein Stadtteil von Johannesburg). Dort wurden wir spontan von zwei Studenten über Sprache interviewt und wie diskriminierend das manchmal sein kann (da stimme ich 100% zu) und dann haben wir (schon etwas müde) uns auf die Suche nach einem riesigen Flohmarkt auf dem Dach eines Einkaufszentrums gemacht (Tipp von Mona). Nach einer Weile standen wir dann auf dem Dach, aber da gab es nur Autos. Wir haben dann einen Wachmann auf einem ___ (wie heißen die motorisierten Fahrgeräte, wo man sich drauf stellt, und wenn man sich nach vorne lehnt, fährt man nach vorne?) gefragt und der konnte uns dann weiter helfen. Als wir ankamen, haben viele leider schon zusammengepackt. Dennoch habe ich bemalte Becher gefunden und  eine Frau, die mir eine Patchworkdecke macht. (Ist schon fertig, bin gespannt, wie die aussieht.) Also sehr erfolgreich! Danach sind Xin Rong und ich zu einem Platz gegangen, wo Kinder (jung bis alt) kulturelle Tänze aufgeführt haben, mit traditioneller Kleidung. Wir sind dann noch zu anderen Ständen reingegangen, wo mir tatsächlich ein Händler noch ein Bild aus Bananenbaum aufgeschwatzt hat. Dann sind wir wieder zurück gegangen und haben uns in ein Restaurant gesetzt,  von wo wir die kulturelle Gruppe gut beobachten konnten. Wir haben dann noch was gegessen und sind dann um 7.30 Uhr mit dem Gautrain wieder zurück gefahren.

Fazit: Das einzige, was Soweto und Sandton gemeinsam haben, ist das S am Anfang.

Viele liebe Grüße,
Nadine

YES YES - Stronger Families - YES YES

Hallo meine Lieben,

letzten Mittwoch bin ich da wieder in was hineingeraten. Und am Ende bin ich bei 30° im Schatten hüpfend über den Campus gerannt, lautrufend "yes, yes, stronger families, yes, yes!".
Also, das war so: Xin Rong belegt einen "Soziale Arbeit" Kurs und während der letzten Wochen war dort der "Lebenszyklus einer Familie" Thema. Das find ich ja total spannend, also habe ich sie (wenn ich zu der Zeit keinen Unterricht hatte) ab und zu mal begleitet. Und einiges gelernt. Zum Beispiel, dass die Liebe nicht stirbt mit der Zeit, denn Liebe ist eine Entscheidung. Liebe ist nicht das Gefühl für den anderen Partner, sondern Loyalität gegenüber dem Partner unter allen Umständen. Und vielleicht ist eine Ehe nicht immer glücklich, denn es passieren schlimme Dinge im Leben, aber es kann dennoch eine gute Ehe sein.

Wenn man einsteht für das, woran man glaubt
So (finde ich) tolle und wertvolle Sachen habe ich in dem Kurs gelernt. Und dann hat die Dozentin vorgeschlagen, dass wir über den Campus gehen könnten, mit Plakaten und Schildern und so vielleicht einen Beitrag dazu leisten können, dass sich die Familien in Südafrika verbessern. Leider wusste ich nicht, wann das stattfinden würde. Also bin ich letzten Mittwoch ganz normal zum Unterricht gegangen und auf einmal war ich mittendrin. Die Studenten (vielleicht nicht alle, aber bestimmt 40) hatten Schilder gebastelt und waren bereit die Welt zu verändern. Die Dozentin hat gesagt, dass wir aber nicht rufen dürfen, weil viele Klassen immernoch Unterricht haben, aber daran hat sich niemand gehalten. Wir sind losgehoppelt. Ich leider ohne Schild (kam ja alles etwas überraschend). Auf den anderen Schildern standen Dinge wie "Planned Parenthood" und "kümmert euch umeinander". Schnell entwickelte sich eine Art Gesang und rhythmisches Gelaufe (im hüpfenden Laufschritt tanzten wir über den Campus). Die Jungs riefen "Stronger Families" und die Mädels "yes - yes, yes - yes". Das war unglaublich cool. Ich erst etwas zögernd (meine erste Demonstration überhaupt und dann gleich so dynamisch) fiel dann aber nach anfänglicher Unsicherheit auch in den Laufschritt und die Gesänge mit ein. Die Leute, denen wir begegneten, schauten etwas perplex, aber manche von uns haben dann laut ihr Schild vorgelesen und dann meinten manche Zuschauer "ok, das mach ich"(wahrscheinlich eher im Spaß, aber ist ja egal!). Zwischenzeitlich gab es dann so seitwärts Schritte, die manche in das vorwärts Gelaufe auch noch einbauten, aber das habe ich dann koordinationsmäßig nicht mehr hinbekommen.
Am Ende standen wir auf einem Stein-Podest (wo auch der Flash-Mob war) in der Mitte von der Uni. Und einer hat gerufen: "Vorwärts mit besseren Ehen!" und wir "vorwärts!". Er: "Nieder mit Eltern, die ihre Kinder verlassen!" Wir: "Nieder!" Er: "Vorwärts mit mehr Zusammenhalt in Familien!" Wir: "Vorwärts!" Und dann haben wir noch eine Motivationsrede bekommen, dass jeder etwas in der Welt verändern kann, und dass wir als Soziale Arbeiter da besonders viel bewirken können. Dann hat er gerufen: "Vorwärts mit __ (Name der Dozentin)!" Wir: "Vorwärts!" Und dann musste die Dozentin ein paar Tränchen verdrücken.

Alles in einem war das unglaublich. Irgendwie finde ich, hat man da noch richtig gemerkt, dass die ganzen Demonstrationen gegen die Apartheid auch noch nicht so lange her sind und dass die Südafrikaner das Einstehen für eine bessere Sache immer noch im Blut haben. Auch als ich im Apartheid-Museum Videos von den Demonstrationen damals gesehen haben, sind die Leute darauf eher dynamisch gelaufen, mit Gesängen, und jetzt war ich irgendwie auch dabei.
Da merkt man noch den Glauben daran, dass man (auch als kleine Gruppe) noch wirklich was verändern kann.
Ein unglaubliches Erlebnis.

Liebe Grüße,
Nadine

Samstag, 3. November 2012

Outreach Program und Gold Reef City

Hallo du und du und du,

nach einer anstrengenden Woche in der Uni haben Xin Rong und ich am Samstag (20.11.) mal was für die Gemeinschaft getan. UPI (die internationale Studentengruppe der Universität Pretoria) hat ein Outreach Programme organisiert. Los sollte es gehen um 07.30 morgens, an der Uni. Xin Rong und ich waren etwas spät dran (irgendwie bleiben wir nachts ziemlich oft sehr lange auf, da ist es schwer sich morgens schon so früh aus dem Bett zu kugeln), da dachten wir schon, alle sind schon losgefahren, weil niemand am Treffpunkt war. Stattdessen trudelten die anderen erst ungefähr 10 Minuten später ein. Die anderen waren alle tatsächlich Mitglied in der Studentengruppe und kannten sich deshalb, und Xin Rong und ich waren so die einzigen Austausch-Studenten. Das Biltong (Trockenfleisch, sehr zäh, recht lecker und super berühmt in Südafrika) haben sie aber trotzdem mit uns geteilt.
Freilaufend auf Brautschau
Dann hieß es warten, warten, warten. Komisch. Eigentlich sollte es ja um 07.30 schon losgehen, aber der Busfahrer samt Bus war noch nicht da. Nach einer halben Stunde hat jemand mal den Busfahrer angerufen - der war anscheinend noch am Schlafen, aber würde sich jetzt auf den Weg machen. Ok. Irgendwie hat sich keiner darüber aufgeregt, oder ist super nervös geworden. Hier ist dann doch einiges um einiges entspannter. Mit einer Verspätung von 1,5 Stunden haben wir uns dann gegen 09.00 Uhr in den Bus geschwungen und sind (in einem Mini-Bus) losgedüst. Ich mag Busfahren, dass hat sich hier nicht geändert. Und dadurch, dass hier die öffentlichen Transportmittel nicht 100%ig sicher sind, kommt man hier nicht so oft zum Busfahren. Also war es für mich überhaupt kein Problem, dass wir statt einer Stunde (die man eigentlich nur braucht), zwei gebraucht haben. Wie kann das sein? Wir haben uns verfahren! Aber so sind wir in einem Gebiet nördlich von Pretoria (sehr schön), durch die ländlichen Wohngebiete gefahren. Das war ganz spannend. Hunde und Kinder spielend manchmal auf der Straße. Recht winzige Häuser, aber immerhin richtige gebaute Häuser, nicht nur Blechhütten, mit ein bisschen Grundstück drum rum. Xin Rong und ich hatten Essen (ich hatte Russisch Brot gefunden, wie cool ist das denn) und Trinken (kleine Fruchtsaft-Pakete) dabei, also hätten wir noch einige Zeit im Bus überleben können und die anderen machen (immer noch) nicht einen besorgten Eindruck.
Nach etwas Rumfragen und mal anrufen, wo sich das Haus nochmal befindet, kamen wir dann an. Ein sandiger Platz, mit Gebäuden drum herum. Anscheinend ist das ein Ort, zu dem die Kinder gehen können, wenn sie unter der Woche aus der Schule kommen. Dort wird ihnen dann mit Hausaufgaben geholfen und sie bekommen Essen. Die Leute dort machen das meistens ehrenamtlich, soweit ich das verstanden habe. Alle Kinder kommen aus der näheren Umgebung und die kleinsten sahen aus wie 5 Jahre alt, die ältesten vielleicht 15 Jahre alt.
Als wir dann in den Aufenthaltsraum kamen, saßen die Kinder ganz brav, wenn auch etwas chaotisch auf Bänken, alle ganz leise. Überhaupt sind Kinder hier wirklich gut erzogen, was ich soweit mitbekommen habe. Rumschreien und rumrennen und ErzieherInnen, die kreischend hinter den Kindern her laufen, gibt es hier nicht.
Ich, direkt nach der orangenen Achterbahn-Fahrt 
Nach einer kurzen Einleitung (wer wir sind, wer die sind) haben die Kinder traditionelle Tänze in kleineren Gruppen für uns aufgeführt (Gumboot Dancing war auch dabei, das sah super aus!), kurze selbstgeschriebene Gedichte aufgesagt und gesungen. Das war wirklich schön. Die Kinder sahen auch so aus, als ob es ihnen Spaß machen würde. Und die Kinder, die gerade nicht dran waren, saßen weiterhin still dar, ohne dass die Betreuer um Ruhe bitten mussten. Wirklich beeindruckend.
Nachdem die Kinder fertig waren, hat UPI eine Weltkarte ausgepackt und dann hat jeder von uns (auch ich und Xin Rong) gesagt, woher er oder sie kommt, und was es besonderes über das Land zu sagen gibt. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich erzählt, dass unser Brot recht kompakt ist und viele Körner hat und dass wir viele Kartoffeln essen. Aber das coolste war, dass Deutschland außerhalb von Afrika ist. :)
Manche der Dinge, die wir gesagt haben, wurde von einem der Kinder in (glaube ich) Sepedi übersetzt, denn nicht alle der Kinder sprechen Englisch.
Dass mit der Karte war eine wirklich schöne Idee fand ich. Eigentlich war wohl der Plan, dass wir auch noch Spiele spielen, aber wir waren 3 Stunden zu spät. Also haben wir den Kindern noch Chips und Fruchtsaft gegeben (auch hier, nacheinander aufgestellt, kein Gedrängel, kein Geschubse) und ein paar Fotos gemacht (die ich leider nicht habe). Außerdem hat UPI Becher und Teller besorgt, die Weltkarte und Karte von Südafrika haben sie auch dem Haus gegeben und dann noch ein bisschen Essen in Dosen, dass sich lange hält.
Die Zeit mit den Kindern war recht kurz und viel organisierter als gedacht (ich dachte man spielt laut kreischend und wild fuchtelnd mit ihnen für drei Stunden), aber es war sehr schön. Und die Betreuer haben sich auch gefreut, dass die Kinder die Chance hatten, Menschen aus so vielen Ländern kennen zu lernen.
Danach sind wir wieder zurück gefahren, das hat dieses Mal nur 40 Minuten gedauert.

Ich und der Baum
Am nächsten Tag sind wir (Xin Rong und ich, die anderen mussten für Klausuren lernen) zu Gold Reef City gefahren. Das ist ein Freizeitpark in Johannesburg (direkt gegenüber vom Apartheid-Museum). Das hat voll viel Spaß gemacht und ich war so mutig! Ich bin das erste Mal in meinem Leben mit einer Achterbahn gefahren, wo die Füße frei schweben! Und mit Loopings und Schrauben und allem drum und dran! Und das alles in 45 Sekunden, dann ist alles schon vorbei. Da hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn ich mir erst super unsicher war, ob ich das wirklich will. Aber weniger denken und mehr machen hilft da. Und ein paar Stunden später sind wir sogar nochmal gefahren.
Ein bisschen unschlau war vielleicht, dass wir gleich zu Anfang mit einem Kanu auf Wasser gefahren sind. Also sowas, wo man im Kanu sitzt, dann fährt man, fährt man und am Ende fährt man von oben steil runter und wird dann etwas nass. So ist da ja in Deutschland. In Südafrika (die Südafrikaner übertreiben es ja gerne etwas mit den Freizeitpark-Attraktionen) fährt man, fährt man, dann fährt man ein bisschen von oben irgendwo runter und ... ist dann schon plitsch nass. Tja, keine Ahnung, wie die das machen. Dann fährt man ein bisschen weiter, und dann geht es suuuper steil bergab und dann ist man absolut plitsch nass. Und ich meine, alle Haare auf dem Kopf sind nass, der Popo ist nass, Hose, Oberteil sind nass und vor allem die Schuhe sind triefend nass. Ja. Blöd.
Danach haben sich Xin Rong und ich erstmal unter den Handtrocker im Klo gestellt, aber das half auch nur so mäßig. Also sind wir stattdessen danach mit all den schnellen Achterbahnen gefahren, und das hat gut funktioniert. Bevor wir wieder nach Hause gefahren sind, waren wir wieder trocken.
Wir sind wieder mit dem Zentrifugal-Ding gefahren. Das war ungefähr 4-mal so groß, hat sich bis zu 90 Grad aufgestellt, aber ist wenigstens tatsächlich erst langsamer geworden, als wir wieder senkrecht zur Erde auf unseren Füßen stehen konnten. Ich so, "das ist nicht sicher, das ist nicht sicher!" als sich das Ding senkrecht aufgestellt hatte. Wird das bei uns auch senkrecht? Soweit ich weiß, höchstens 45 Grad, oder? Aber das meine ich mit, dass die Südafrikaner sowas gerne bis zum Limit treiben.
Nadistein
Das andere ganz witzige ist dort die Schiffschaukel. Die ist ganz langsam, sodass man gar nicht das Gefühl hat, der Magen dreht sich um weil man am Ende fliegt. Stattdessen dreht sich die Schiffschaukel aber soweit in eine Richtung, bis man (wenn man nicht super fest festgeschnallt wäre) einfach aus dem Sitz fallen würde, weil man Kopfüber da hängt. Eigenartig.
Außerdem hat der Park Shops, ein 4-D Kino (wo wir aber nicht drinnen waren), einen Streichelzoo mit Pferden, Meerschweinchen, Emus, Ponys, Schildkröten, wo ich nicht weiß wie tierfreundlich das alles ist.
Aber hat wirklich viel Spaß gemacht dort und ist einen Besuch wert. Das einzige, was wir nicht gemacht haben (absichtlich) ist der Tower of Terror, wo man erstmal frei fällt, bevor man gleich weiter zu der Achterbahn geleitet wird. Gruselig.
Nach unserem Besuch in Gold Reef City sind wir noch kurz zum Gold Reef Casino gegangen. Interessant. Ein bisschen sind wir zwischen den Automaten und Spieltischen rumgeschlichen und haben Menschen beobachtet (als Soziologin und Psychologin kann man das mal gut machen). Selbst gespielt haben wir aber nicht, hätte ich auch weniger interessant gefunden.
Und dann sind wir nach Hause gefahren und haben ein ereignisreiches Wochenende in einem Restaurant namens Dros beendet, wo die die Kruste der Schnitzel so super kross machen, dass das schon zu kross ist. Ist aber mal ganz erfrischend, sonst ist hier vieles oft eher lapschig, BESONDERS die Pommes.

Ich hab euch ganz doll lieb und viele liebe Grüße!
Nadine

PS: Ihr seht, ich verbringe die meiste meiner Zeit mit Xin Rong. Morgen fährt sie für zwei Wochen zum Spaß nach Kapstadt und kommt dann erst in der Klausurenphase wieder. Ich weiß noch gar nicht, was ich mit der ganzen Freizeit ab morgen machen soll. Beziehungsweise, es fühlt sich so an, als sollte ich mir nochmal schnell neue Freunde suchen für die Zeit. Naja, so oder so muss ich sowieso mal anfangen mit lernen und darin viel Zeit investieren, denn die Endklausuren stehen bald vor der Tür.

Freitag, 2. November 2012

Kultur und kulturelle Differenzen

Hallo Freunde der Sonne,

Lesedi Cultural Village
am darauffolgenden Mittwoch (10.10.) hat uns David überraschend besucht. Tatsächlich stand er auf einmal vor der vergitterten Tür mit einem Security-Mann im Schlepptau. Ich saß (wie wirklich super oft, ich mag mein Zimmer nicht ganz so doll, wo ich die Wand anstarre, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, stattdessen sitze ich lieber...) am Esstisch in der offenen Küche. David: Oh, das ist sie, das ist sie! und deutete auf mich. Als ich David dann auch erkannte (erst total verwirrt), ist der Security-Mann dann wieder gegangen.
David war total niedlich. Er meinte, alle seine Nummern sind von seinem Handy gelöscht wurden, deswegen konnte er uns nicht kontaktieren, wegen des Autos. Stattdessen hat er auf unseren Anruf gewartet und ist ab und zu mal am Grundstück langgefahren um zu gucken, ob das Auto da noch steht. Und dann meinte er, ok, ok, hier sitzen bringt uns nicht weiter, wir müssen uns das Auto ankucken. Dann habe ich ihm den Teil des Motors gezeigt, der abgebrochen war und den ich aufheben werde. Er meinte: ok, dann müssen wir uns das Auto jetzt nicht mehr ankucken, Let's talk. Und dann meinte er, dass er uns einen neuen Motor für 8000 Rand besorgen kann, nicht 1600.
Am Ende haben wir das nicht gemacht. Aber das war dann der Zeitpunkt, wo ich persönlich tatsächlich mit der ganzen Sache Auto endlich wieder im Reinen war, weil ich wenigstens den Eindruck hatte, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, als zu verkaufen. Vorher hatte ich mich mit dem Rücken zur Wand gefühlt, und als ob ich uns in die Lage gebracht habe, dann hatten wir eine weitere Option und konnten eigenständig entscheiden, was wir machen wollten. Seitdem (bis zum heutigen Zeitpunkt) sucht David nach irgendeiner Lösung, an wen und wie wir das Auto verkaufen. Mal sehen.

Zulu Kleidung (links und Mitte); Unser Guide (rechts)
Freitag Nacht wurde ich dann geplättet, wie schon lange nicht mehr. Yui hatte mir für uns (Snow, Xin Rong und ich) Kekse (und Chips, aber die spielen keine Rolle) für unseren Ausflug zum Krüger Park gegeben. Irgendwie haben wir die Kekse (gekauft) nicht gegessen, und deshalb hatte ich an diesem Freitag die Idee, die Kekse einfach dem Haus zu geben, sprich: Auf den Tisch gestellt, dass sich jeder der leckeren Kekse bedienen darf. Das gab dann Ärger. Yui hatte jedem von uns einen Brief geschrieben, dass sie das doof findet, dass sie die Kekse im Haus gesehen hat, dass es ihr Leid tut, wenn sie die falschen gekauft hat und dass sie sehr wütend ist. Also habe ich zurück geschrieben, dass mir das Leid tut, dass sie das traurig und wütend gemacht hat, und dass das nicht meine Absicht war. Dann hat Yui zurück geschrieben, dass sie reden möchte und den Zettel habe ich dann erst nachts gefunden, weil ich vorher bei Xin Rong im Zimmer war. Also habe ich Yui im Flur getroffen und dann ging's los: "Warum habt ihr die Kekse nicht gegessen? Die Kekse waren für euch, nicht für das ganze Haus! Ich habe dir die Kekse gegeben und du hast die Bedeutung der Kekse trotzdem nicht verstanden, das ist wirklich traurig! Du musst dich auch mal in andere Kulturen hineinversetzten! Wir leben hier zu acht und alle kommen aus anderen Ländern, da kannst du nicht nur innerhalb deiner Kultur denken! Warum hast du mir einen Zettel geschrieben? Du musst über sowas reden! Ich bin so enttäuscht!"
Wo die Tänze waren - man beachte Band
Meine Güte. Also vielleicht bin das nur ich, aber ich hatte ernsthafte Probleme, das nachzuvollziehen. Vielleicht, wenn sie die Kekse selbst gebacken hätte, hätte ich das verstanden (das habe ich ihr dann auch gesagt, daraufhin meinte sie: tut mir Leid, dass ich die Kekse nicht selbst gebacken habe). Und dass sie wollte, dass wir eine gute Reise haben und das für uns gesorgt ist, habe ich auch verstanden! Ich war ja auch dankbar für die Kekse, das hatte ich ihr auch zuvor gesagt, aber was ich nicht wusste war wie wichtig es ist, die Kekse tatsächlich auch zu essen! Oder zumindest zu öffnen! Dann meinte ich: Also hätten wir die Kekse essen sollen? Sie meinte: Du musst selbst wissen, was richtig gewesen wäre! Naja, ich habe dann versucht die Kultur-Karte zu spielen und dass das in meiner Kultur kein Problem gewesen wäre (das denke ich zumindest, seitdem bin ich so unglaublich verwirrt, ob man das darf bei uns oder nicht). Daraufhin meinte sie, dass ich mich auch mal in andere Kulturen hineinversetzten soll. Aber wie soll das denn gehen? Entweder ich weiß, dass das in ihrer Kultur ein no-go ist, oder eben nicht. Das ganze Hineinversetzten hat in der Situation für mich überhaupt nicht funktioniert. Aber dadurch, dass sie das so gesagt hat, kam das bei mir so an, als ob sie mir auch noch vorwirft, dass ich das alles absichtlich gemacht hätte.
Sie meinte, sie hat einfach zu viel gemacht, und dass sie das in Zukunft nicht mehr machen wird.
Dann meinte sie, dass sie einfach nichts hätte sagen können, aber dann können wir keine wirklich guten Freunde werden und dass ich eigentlich nett bin.
Puh, das kann ich ja gar nicht. Erst die volle Feudel kriegen und dann alles vergessen, wie als wäre nichts gewesen oder was. Mittlerweile stand ich da in Tränen, weil ich mich für die absurdesten Dinge rechtfertigen musste (zum Beispiel, warum ich ihr einen Zettel zurück geschrieben hatte. Sie hatte mir doch erst einen Zettel geschrieben! Sie meinte: Weil ich nicht zuhause gewesen war. Ich meinte: Dann hättest du doch warten können, bis ich zu Hause war, ich würde den Zettel doch sowieso erst zuhause lesen. Hat sie nicht verstanden.) und ich gleichzeitig das Gefühl bekam, dass ich ein wirklich rücksichtsloser Mensch war, der sie absichtlich verletzt hatte. (Fußnote: Ist aber recht komisch, eine komplett ernste Diskussion zu führen, bzw. Streit zu haben, während man andauernd "cookies" sagt. Da verliert das ganze eigentlich an Ernsthaftigkeit, möchte man meinen, war aber nicht der Fall.) Zusätzlich wollte sie, dass ich mich in ihre Sicht und Kultur reinfühle, während sie mir ja aber keinen Schritt entgegen kommt! Ich kann verstehen, wenn sie das verletzt hat, dass sie mit mir dann darüber reden möchte, das ist ja gut, aber meine Sichtweise hat sie kein bisschen verstanden und ich sollte ihre Sichtweise komplett verstehen.
Ich beim Tanzen, aufgefordert von Mann zu meiner Linken
Am Ende meinte sie, alles abgehakt, Geschichte. Aber ernsthaft? Erst platt machen wie Flunder und dann alles abgehakt? Natürlich hat das einen Einfluss darauf, wie ich mit ihr in Zukunft umgehe. Bereits am nächsten Tag hat sie getan, als hätten wir nie ein Gespräch gehabt, aber ich bin seitdem um einiges vorsichtiger (heute, 3 Wochen später immer noch) mit dem was ich sage oder was ich tue. Außerdem bin ich ungern mit ihr allein, weil ich dann auch nicht mehr recht weiß, was richtig ist und was falsch und ich erzähle ihr Dinge, die mich bedrücken nicht mehr. (Exkurs: Ganz witzig: Ab und zu hat Yui mich gefragt: "Geht es dir gut? Wirklich? Ganz sicher? Du siehst wirklich, wirklich nicht gut aus!" Dabei war ich höchstens gestresst. Das fand ich nicht besonders toll, ist irgendwie nichts, was man bei uns so penetrant macht. Kulturdifferenz, ne?)
Über eine Woche später hat sie mir eine Cola mitgebracht, das war nett. Sofort habe ich die Cola getrunken und mich bedankt und bedankt.

Jap, so war das. Und das Auto und der Streit mit Yui und viel Stress mit Arbeiten und Klausuren waren dann die Hauptpunkte eines Zeitraums, der wirklich nicht so schön war und wo ich das, was ich in Deutschland zurück gelassen habe, besonders stark vermisst habe.

Am Samstag (nur ein paar Stunden nach dem Streit mit Yui) sind Snow, Lena, Xin Rong, Yui und ich zum Lesedi Cultural Village gefahren. Das ist ein Kulturdorf für Touristen. Wir wurden bereits mit kulturellen Gesängen begrüßt und haben dann erst einmal einen 15-minütigen Film über die Geschichte Südafrikas gekuckt. Danach haben wir uns exemplarische Nachbauten von Dörfern von 5 verschiedenen Kulturen Südafrikas (insgesamt gibt es 9 Hauptkulturen) angeschaut. Wir durften selbstgemachtes Bier probieren (hab ich aber nicht), ein selbstgemachtes Hafer-ähnliches Getränk (hab ich) und frittierte/ rohe (riesige) Käfer (hab ich nicht). So haben wir einiges über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen gelernt. Zum Beispiel, dass die Zulu eher ein kriegerischer Stamm sind und die Ndebele berühmt für ihre Kunst und die sehr bunten Häuser. Aber in allen Kulturen zahlt der Mann für die Frau eine Mitgift, bestehend aus Kühen (die Anzahl unterscheidet sich aber wiederum von Stamm zu Stamm). Und dann mussten wir Worte laut rufen um Einlass in manche der Dörfer zu bekommen, und dann haben sie laut geantwortet. Ganz cool. Lohnt sich auf jeden Fall, ein Besuch, macht einiges deutlicher.
Danach haben sie noch viele verschiedene Ausschnitte aus unterschiedlichen kulturellen Tänzen vorgeführt. Gumboot Dancing war auch dabei! (Erinnert mich daran, wenn ihr mal meinen "Trainer" sehen wollt, dann folgt mal diesem Link: http://www.youtube.com/watch?v=poxeApDNlGw  Er ist der mit blonden Haaren ganz rechts. Außerdem machen wir diese Schritte auch, zumindest die einfachen davon. Damit ihr mal einen Eindruck bekommt :) )
Krokodil (links) und Hühnchen (rechts) - glaub ich
Danach gab es noch ein Essen bestehend aus kulturellen Speisen. Einiges, was ich schon kannte (wie Pap), aber manches auch noch nicht! Zum Beispiel Cooked Sisters. Das sind einfach zwei Stangen ineinander gerollt, aus Zucker und dann frittiert. Oder Krokodil. Hab ich probiert! Schmeckt irgendwie nach Fisch, aber irgendwie auch nicht. Die anderen meinen wie Fisch nur fester in der Konsistenz, aber bei mir war nix fest. Vielleicht hatte ich einfach ein sehr lappschiges Stück. Lecker jetzt nicht so, aber ok. Und natürlich gab es Strauß, aber kannte ich auch schon. War aber sehr lecker, besonders das Schokoladenmousse. hihi.

Danach sind wir wieder zurück gefahren (übrigens mit einem Mietwagen). Ich sollte uns zurück geleiten, und habe uns etwas verfahren. So sind wir durch Fourways gekommen, eine wirklich schöne Stadt! Und wir sind am Monti Casino in Johannesburg vorbeigefahren, wo Xin Rong uns schon immer mal hinbringen wollte. Hat alles auch sein gutes. Und schlussendlich haben wir's gefunden.

Tja, so war das und so ist das manchmal, ne?

Viele liebe Grüße,
Eure Nadine

PS: Ich war (relativ spontan, hatte nur eine Probe) Teil eines Flashmobs an der Uni! Wenn ihr sehen wollt, wie ich rumdüse, dann folgt diesem Link: http://www.youtube.com/watch?v=j-nRUccjC10  Ich schieße irgendwann aus der rechten Ecke hervor mit weißem Oberteil, Hände wild auf Hüfthöhe fuchtelnd. Dann schaffe ich es irgendwann mich in der Menge zu verstecken ;) . War aber echt toll, dabei gewesen zu sein, und der tatsächlich Kern der Mannschaft hat eine Menge Arbeit investiert, denke ich.

Donnerstag, 1. November 2012

All Blacks vs. Springboks

Hallo meine Lieben,

am Samstag (6.10.) sind wir also wiedergekommen aus dem Krüger National Park. Mit vielen schönen Erinnerungen und einiges an neuem Tierwissen.
Viel Zeit hatten wir nicht bis zum nächsten Ausflug, bevor uns eines der Autos der singapurischen Botschaft abgeholt hat. Dann sind Snow, Xin Rong und ich erstmal zu dem Haus des Botschafters von Singapur in Südafrika gefahren. Dort haben wir uns mit Paul getroffen, er arbeitet für die Botschaft und kommt selbst auch aus Singapur (er ist in Kontakt mit Xin Rong) und dann kam auch noch die Tochter des Botschafters mit. Upps. Etwas underdressed war ich, würde ich mal sagen. Aber das hatte mir auch niemand vorher verraten (wisperte ich zu Xin Rong, und sie meinte, sie war nicht sicher ob die Tochter des Botschafters auch kommt). Na gut. Also haben wir uns dann alle in das Auto gequetscht (ohne Fahrer wäre mehr Platz gewesen, aber gut) und sind zum Stadium in Johannesburg gefahren. Genauer gesagt, zum Rugby-Stadium und, ihr werdet es kaum glauben: Wir haben All Blacks vs. Springboks (Neuseeland gegen Südafrika) gesehen, wie cool ist das denn? Das war so die einzige Sache, die ich wirklich, wirklich machen wollte, noch bevor ich nach Südafrika gekommen bin. Und dank Xin und Paul waren wir tatsächlich auf dem Weg zum Stadium... wie gefühlte 50 tausend andere Menschen auch. Bestimmt über zwei Stunden saßen wir gequetscht (nur ich und Snow waren gequetscht, die anderen natürlich nicht) im Auto, welches sich drängelnd durch die Straßen schob.
HAKA
So konnten wir das gesamte Gebiet um das Stadium in Johannesburg in aller Ruhe sehen, aber das führte auch dazu, dass ich fast das verpasst hätte, weswegen ich überhaupt hingehen wollte! Den HAKA. Die letzten Meter sind wir zu unseren Sitzplätzchen gerannt und haben leider beide Hymnen verpasst, aber wir waren noch rechtzeitig da für den Haka. Also: Haka in Neuseeland und Haka in Südafrika sind zwei unterschiedliche Erfahrungen wie Tag und Nacht. Neuseeland: Jeder singt mit oder ist ganz still, sodass man die Wörter tatsächlich verstehen kann. Südafrika: Alle rufen buuuh, buuuh!, sodass man kein einziges Wort versteht. Aber ich kann die Südafrikaner schon verstehen, immerhin ist der HAKA ein Kriegstanz, da wehrt man sich natürlich gegen den Kampftanz.
Also: ein bisschen arm, den Kampftanz ankucken in einem anderen Land, aber schon ok. Das Spiel an sich war dann ganz cool, aber hauptsächlich, weil es mich an meine Zeit in Neuseeland erinnert hat und weil so ein Teil von Neuseeland in Südafrika war.
All Blacks haben gewonnen! Da durfte man sich aber nicht zu laut drüber freuen (das Stadium war unglaublich grün, weil wirklich fast jeder ein grünes (Farbe der Springboks) T-Shirt an hatte). In der Nähe von Snow saß ein Mann, der lauthals für die All Blacks war und die dollen Springbok-Fans haben wohl Becher auf ihn geworfen mit und ohne Bier. Also habe ich ganz leise gejubelt, während ich neben der Tochter des Botschafters von Singapur in Südafrika (da komme ich noch nicht drüber weg) saß.
Ich beim Rugby-Spiel
Als das Spiel zuende war, sind wir wieder zurück gegangen, wo das Auto schon wartete (das ist dann echt praktisch, wenn man einen Fahrer hat). Der Fahrer hat uns zurück zu dem Haus des Botschafters gebracht, um die Tochter abzusetzen. Dann hat die Frau des Botschafters die Tür aufgemacht und uns herein gebeten! oh oh oh. Sagt man da nein dazu? War ja schon spät. Oder ist das dann unhöflich? Wir sind dann kurz reingegangen und konnten so einen Blick auf das beträchtliche Innere des Hauses werfen. Alles irgendwie gelb-golden, mit Empore und breiter einladener Treppe. Wir haben uns dann an den riesigen Esstisch gesetzt, der alleine schon super teuer aussah, mit ganz besonderem Holz und so wertvoll lackiert, wisst ihr was ich meine? Uns wurden dann Getränke angeboten (wir haben mal ein Glas Wasser genommen) und dann haben wir mehr oder weniger ein bisschen gesmalltalked. Der Botschafter kam dann auch noch dazu, sah aus wie in seinem Schlafi, aber ich glaub nicht. hihi. Auf jeden Fall sehr freundliche Leute. Weil sie nichts zum Essen im Haus hatten, musste/sollte uns Paul dann noch mitnehmen zu einem Restaurant. Nett, oder?
Das Restaurant war ein sehr leckeres italienisches und ich hatte Nudeln mit Pesto. Seit langer Zeit mal wieder (esse ich sonst oft zuhauf), das war lecker. Danach hat uns Paul nach Hause gefahren und ein aufregender Tag war zu Ende.

Viele liebste Grüße,
Nadine

PS: Es hat mich nur 4 Wochen gekostet, bis ich nicht mehr jeden Tag an mein Smartphone gedacht habe, was ich damit alles machen kann und wie sehr ich es vermisse. Aber Milva, dich vermisse ich immer noch wie am ersten Tag. :) Überhaupt vermisse ich gerade sehr viel in Deutschland. Die anderen hier machen sich schon emotional bereit dafür, wieder nach Hause zu gehen und schwärmen deshalb davon und ich bin (als einzige) hier noch so lange. Ich bin auch bereit, nach Hause zu gehen! So anstrengend, alles wieder neu rauszufinden und aufzubauen in Pietermaritzburg.